Synthetische “Cannabinoide” - Notaufnahme statt Wolke 7

 Warum es so wichtig ist, hochwertige Produkte zu kaufen, wird dieser Tage mal wieder mehr als deutlich. Synthetische Cannabinoide überschwemmen die Straßen, die Spätis, die Onlineshops. Gerade in Großstädten ist das Problem auf dem Vormarsch, doch wenn es das Cannabis bis aufs Dorf schafft, wird das auf Dauer auch für synthetische Cannabinoide kein Problem sein.                           

Was hilft sind Aufklärung, Kontrolle und vor allem Legalisierung. Denn ein legaler Stoff, kann von Behörden kontrolliert werden und es können Standards eingeführt werden wie zum Beispiel Gütesiegel. Außerdem wird Spice als Cannabisersatz konsumiert, was nach einer Legalisierung nicht mehr nötig wäre. Der größte Nutzen wäre der Jugendschutz, denn dass Abschreckung und Verbote den Konsum von Cannabis für Jugendliche nur interessanter machen, liegt wohl auf der Hand.                                                                                    Und so sind es auch diesmal ausschließlich Jugendliche, die durch die neuen und gefährlichen Mischungen in Notaufnahmen landen, oder sogar sterben. Doch eins sei gesagt: Synthetische Cannabinoide heißen in diesem Fall nur so, und haben nicht einmal entfernt etwas mit der Heilpflanze zu tun.

Spice...

...ist der Name der bekanntesten Kräutermischung. Bekannt deshalb, weil sie in den vergangenen 14 Jahren unzählige Jugendliche in Notaufnahmen brachte, und mehrere Menschen sogar starben (allein im Jahr 2019 gab es 3 Todesfälle in Deutschland. Eine in einer JVA) Spice ist eine Mischung von legalen Kräutern, welche mit einem Chemiecocktail besprüht ist. Diese Kräuter haben laut Hersteller zum Teil psychoaktive Wirkung; bei einer Untersuchung konnte allerdings nur festgestellt werden, dass sich nicht einmal die angegeben Kräuter in der Mischung befanden. Zur Psychoaktivität konnte man aufgrund des nicht zuzuordnenden Pflanzenmaterials keine Aussage machen. Meist kommen auch künstliche Terpene (Kohlenwasserstoffe, die dem Cannabis seinen Geruch verleihen, und gemeinsam mit den Cannabinoiden die Wirkung ausmachen) zum Einsatz, um die Mixtur wenigstens nach Cannabis riechen und schmecken zu lassen. Drei Gramm der Mischung kosten im Späti oder Onlineshop ca 17,50 Euro, und sind somit günstiger als Gras, nur dass man sich mit dem schlechtesten Straßenweed noch etwas Besseres tut, als mit Spice; auch wenn`s nicht knallt, es wird dich auch nicht umbringen. Die Problematik liegt darin, dass man Dinge, die man noch nicht kennt, nicht verbieten kann; und die Hersteller solcher Chemiecocktails sind da schnell und findig. Ist der Stoff also schon gelistet, machen sich Hersteller und Verkäufer im Sinne des BtmG strafbar; ist der Stoff noch unbekannt, macht sich niemand strafbar. Das ist nun zum Glück Aller nicht mehr so. Im Jahr 2016 wurde ein Gesetz erlassen, das Handel, Einfuhr, Durchfuhr, Verabreichung und Herstellung zum Handel für die Stoffgruppe der Cannabimimetika (Stoffe, die an Cannabinoidrezeptoren binden) unter Strafe stellt. Im Fall von Spice sind es Stoffe, die an die Cannabinoidrezeptoren binden, jedoch wesentlich potenter sind als THC. Nachzuweisen sind die Stoffe per Drogentest nicht, da sie strukturell anders aufgebaut sind als herkömmliche Cannabinoide. Reinheit, Wirkmechanismus und Verstoffwechslung im menschlichen Körper sind bis heute nicht geklärt, eindeutig geklärt ist allerdings das starke Abhängigkeitspotential. In der schottischen Stadt Glasgow war der Konsum vor allem unter Obdachlosen so verbreitet, dass man die “Spice-Zombies” in der ganzen Stadt hat beobachten können. Die Polizei von Manchester verzeichnete im selben Jahr an einem einzigen Wochenende 58 Spice Vorfälle, in der Woche davor waren 2 Personen an Spice gestorben, und ein Jahr zuvor hatte dort eine Person einen Freund nach dem Konsum von Spice getötet. In den verschiedenen Sorten des Produktes wurden unterschiedliche Kräuter und unterschiedliche, manchmal zum Teil sogar gemischte synthetische Cannabinoide gefunden, und zwar in unterschiedlichster Dosierung. Inzwischen gesellen sich so exotische Namen wie Lava red oder Bonzai Winterboost hinzu, denn die Ideen gehen den Händlern nicht aus, das Geld schon. Seit 2009 ist der Handel mit Spice in Deutschland und Österreich verboten, und doch erlebt Deutschland momentan eine Welle von Chemiegras und besprühten Kräutermischungen; trotz Hausdurchsuchungen, Gesetzen und schweren Krankheitszuständen der Konsumenten, spitzt sich das Problem zu.

Chemie-Gras

Die Geschichte vom Chemie-Gras, ist eigentlich nur das zweite Kapitel der Spice Geschichte, nur, dass man nun nicht mehr selbst entscheidet, was man konsumiert. Es gab vor nicht allzu langer Zeit eine Dokumentation zur Problematik, in der ein Straßendealer zu Wort kommt, und aus der die weiteren Informationen stammen. Illegales Weed boomt aufgrund fehlender Legalisierung in Deutschland, und die organisierte Kriminalität Verdient Unmengen Geld damit. Doch damit nicht genug, um marktfähig zu bleiben, ist es fast nicht mehr möglich, kein gepanschtes Gras zu verkaufen.                     

Meist wird es als Haze angepriesen, und gern gekauft, weil es breiter macht als anderes Gras. Weder die Konsumenten, noch die Abnehmer wissen, dass sie Chemie kaufen bzw konsumieren. Dafür wird potentes Gras aus Holland, aber auch schlechtes Gras aus Albanien mit ca 20% synthetischen Cannabinoiden besprüht, was den Absatz und Gewinn steigert, und den Konsumenten abhängig macht. Das hat den Vorteil, dass dieselben Konsumenten, dasselbe Gras wieder brauchen/wollen, und ihr Kleindealer es wieder bei den Großen ordert, die es wieder besprühen usw. Es wird ausdrücklich “Haze” verlangt, und auf die Frage, wieviele Leute davon schon abhängig seien sagt der junge Mann im Video – alle. Die Großstädte sind so überschwemmt mit dem Gift, dass man keinen Umsatz macht, wenn man es nicht verkauft. Im Slang sagt man: Es wird mit Aufhellern besprüht, um die Wirkung zu pushen.                                         

Jeder will ein Stück von Kuchen, und das ohne Rücksicht auf Verluste. Diesem gefährliche Geschäft, kann nur durch die Legalisierung Einhalt geboten werden.